Ist Fliegen bei Gewitter gefährlich?

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Ist Fliegen bei Gewitter gefährlich?

Von AirHelper・Letzte Aktualisierung: 29. September 2025

Nein, Fliegen bei Gewitter ist in der Regel sicher. Moderne Flugzeuge leiten Blitze außen ab und schützen Sie im Inneren vollständig. Pilotinnen und Piloten meiden Gewitterzellen mit Wetterradar und passen Routen laufend an. Turbulenzen können vorkommen.

Sie sind jedoch selten gefährlich. Verzögerungen entstehen oft am Boden, weil die Abfertigung bei Blitzschutz stoppt. In diesem Leitfaden erfahren Sie, was bei einem Blitzeinschlag passiert, warum Starts manchmal warten müssen und welche Rechte Sie bei Wetterstörungen haben.

Warum sind Flüge bei Gewitter sicher?

Flüge bei Gewitter sind sicher, weil Flugzeuge wie ein Faradayscher Käfig wirken und Blitze keinen Schaden im Inneren anrichten können. Die elektrische Ladung verteilt sich über die Außenhülle und verlässt die Maschine wieder. 

Zusätzlich sind alle modernen Flugzeuge aus leitfähigen Materialien gebaut und werden nach strengen Sicherheitsstandards geprüft. Pilotinnen und Piloten nutzen Wetterradar, um Gewitterzellen rechtzeitig zu erkennen und zu umfliegen. Dadurch vermeiden sie die stärksten Turbulenzen. 

Auch wenn Blitze spektakulär wirken, stellen sie für die Technik oder die Passagiere kaum ein Risiko dar. Die größte Folge für Reisende ist nicht die Gefahr, sondern die mögliche Verspätung durch Sicherheitsprotokolle am Boden.

Was passiert, wenn ein Flugzeug vom Blitz getroffen wird?

Der Blitz trifft die Außenhaut, fließt über die leitfähige Struktur ab und verlässt die Maschine an anderer Stelle, ohne das Innere zu gefährden.

Die Außenhaut wirkt wie ein Faradayscher Käfig. Die elektrische Ladung verteilt sich auf der Oberfläche. Kabine und Systeme bleiben abgeschirmt. Typische Eintrittsstellen sind Bugspitze oder Flügelspitzen. Austrittsstellen liegen oft am Leitwerk. Sichtbar bleiben manchmal kleine Brandpunkte oder feine Schmelzspuren an der Außenhaut.

Im Cockpit bleibt die Kontrolle erhalten. Avionik und Stromkreise sind abgeschirmt und mehrfach geschützt. Alle Bauteile sind elektrisch verbunden. So entstehen keine gefährlichen Potentialunterschiede. Treibstofftanks sind konstruktiv gegen Zündrisiken gesichert. Passagiere nehmen meist nur einen Lichtblitz und ein dumpfes Geräusch wahr. Der Flug verläuft in der Regel normal weiter.

Nach der Landung folgt eine standardisierte Sichtprüfung. Technikerinnen und Techniker kontrollieren Außenhaut, Antennen, Sensoren und Entlader an den Flügelspitzen. Bei Bedarf werden kleine Oberflächenschäden instand gesetzt. Die Sicherheitsreserven der Konstruktion bleiben erhalten.

Können Flugzeuge durch ein Gewitter fliegen?

Ja, es ist technisch möglich, doch Pilotinnen und Piloten vermeiden Gewitterzellen konsequent.

Gewitterwolken enthalten starke Aufwinde, Windscherungen, Hagel und intensive Niederschläge. Diese Phänomene mindern den Komfort und können Material belasten. Deshalb planen Crews frühzeitig Ausweichrouten. Das Bordwetterradar zeigt aktive Zellen. Satellitendaten und Meldungen der Flugsicherung ergänzen das Lagebild. So wählen Crews sichere Umwege mit ausreichendem Abstand zur Wolke.

Wenn Gewitterlinien einen großen Bereich abdecken, warten Flüge am Boden oder kreisen in sicherem Luftraum. Bei eingebetteten Gewittern in Schichtbewölkung wird besonders vorsichtig navigiert. Ist ein Passieren in der Nähe unvermeidbar, reduziert die Crew die Geschwindigkeit auf einen sicheren Wert und bittet um Gurtsitzplätze. Kabinenservice ruht. Die Struktur des Flugzeugs ist auf Böenlasten ausgelegt. Moderne Autopiloten und Trainingsstandards halten die Belastungen im sicheren Bereich.

Für Sie bedeutet das mehr Zeit und gelegentlich einen Umweg. Für die Sicherheit ist das die beste Entscheidung. Ziel ist immer eine ruhige Route um die Zelle herum und nicht der direkte Weg hindurch.

Warum starten Flüge bei Gewitter oft verspätet?

Flüge starten bei Gewitter oft später, weil aus Sicherheitsgründen die Bodenabfertigung und der Startbetrieb zeitweise gestoppt werden.

Bei Blitzen wird das Arbeiten auf dem Vorfeld eingeschränkt. Gepäck wird nicht verladen. Betankung, Catering und Pushback pausieren. Offene Flächen und Metallgeräte erhöhen das Risiko für das Bodenpersonal. Erst wenn das Gewitter weitergezogen ist, wird die Abfertigung wieder freigegeben.

Zusätzlich senken Gewitter die Kapazität des Flughafens. Flugsicherung und Airport begrenzen Starts und Landungen. An- und Abflugrouten werden verlegt. Abstände zwischen Flugzeugen werden vergrößert. So entstehen Warteschlangen auf dem Rollweg und am Gate.

Auch im Luftraum wirken Gewitter wie Sperrzonen. Crews umfliegen die Zellen. Das verlängert die Route und verschiebt Slots. Manchmal müssen Flugpläne neu freigegeben werden. Bei längeren Umwegen wird zusätzlich Treibstoff geplant, was den Ablauf weiter verzögert.

Ein Blitzeinschlag kann nach der Landung eine technische Sichtprüfung auslösen. Auch das bindet Zeit und Personal. Die Sicherheit bleibt dabei immer die erste Priorität.

Für Sie bedeutet das meist Warten am Gate oder im Flugzeug. Halten Sie Ihre Airline App aktuell. Rechnen Sie bei Umstiegen mit Reserven. Befolgen Sie die Anweisungen der Crew und bleiben Sie angeschnallt, sobald Sie Platz genommen haben.

Wie entstehen Gewitter?

Gewitter entstehen, wenn warme feuchte Luft schnell aufsteigt, in der Höhe stark abkühlt und dadurch geladene Gewitterwolken bildet.

Im Sommer treibt die Sonne die Erwärmung am Boden. Warme Luft steigt auf und kondensiert zu hochreichenden Wolken. Es bildet sich eine Cumulonimbus Wolke. In ihr trennen sich elektrische Ladungen. Das führt zu Blitz und Donner. Im Winter entstehen Gewitter seltener. Kalte Luft in der Höhe und starke Temperaturgegensätze können sie jedoch auslösen.

Unterscheiden Sie zwei Typen. Hitzegewitter sind lokal und kurz. Sie entstehen am späten Nachmittag. Gewitterfronten sind großräumig. Sie bestehen aus vielen Zellen und ziehen über Regionen hinweg. Sie bringen Starkregen, Blitzaktivität, Böenlinien und teils Hagel.

Für Flüge sind die Prozesse in der Wolke entscheidend. Aufwinde und Abwinde sind sehr stark. Es kommt zu Windscherung und Vereisung. Hagelkerne belasten die Struktur. Microbursts können beim Start oder bei der Landung gefährlich werden. Darum meiden Crews diese Wolken mit großem Abstand. Wetterradar, Satellitendaten und Meldungen der Flugsicherung zeigen die aktive Zelle. So planen Crews sichere Routen um die Gewitterzone.

Welche Risiken gibt es außer Blitzen?

Die wichtigsten Risiken neben Blitzen sind Turbulenzen, Windscherung, Hagel, Vereisung und starker Niederschlag.

Turbulenzen fühlen sich unangenehm an. Sie gefährden die Struktur des Flugzeugs kaum. Das größte Risiko sind Verletzungen ohne Gurt. Bleiben Sie deshalb angeschnallt, sobald Sie sitzen.

Windscherung und Microbursts wirken vor allem beim Start und bei der Landung. Moderne Warnsysteme erkennen diese Phänomene früh. Crews brechen Anflüge rechtzeitig ab und wählen sichere Alternativen.

Hagel kann die Außenhaut und das Radom beschädigen. Wetterradar zeigt die stärksten Zellen. Crews halten großen Abstand.

Vereisung verändert die Aerodynamik. Flugzeuge besitzen Enteisung an Tragflächen, Triebwerkseinlässen und Sensoren. Am Boden wird vor dem Start enteist. Die Crew überwacht Haltezeiten genau.

Starker Regen und nasse Pisten verlängern den Bremsweg. Flughäfen passen Landebahnnutzung und Abstände an. Crews wählen höhere Autobrake-Stufen und prüfen die Pistenwerte.

Sichtprobleme mindern die Orientierung nicht. Instrumentenanflüge mit ILS oder GLS führen präzise zum Aufsetzen. Bei Bedarf weichen Crews aus. Sicherheit geht vor Pünktlichkeit.

Bekomme ich Entschädigung, wenn mein Flug wegen Gewitter ausfällt?

In der Regel nein, weil Gewitter als außergewöhnlicher Umstand gelten.

Nach EU-Verordnung 261/2004 führt Unwetter meist zu keiner Ausgleichszahlung. Ihre Basisrechte bleiben jedoch bestehen. Sie haben Anspruch auf Betreuung. Dazu gehören Mahlzeiten, Getränke und zwei kostenlose Kommunikationswege. Bei einer Übernachtung kommen Hotel und Transfer hinzu. Bei Annullierung wählen Sie zwischen Erstattung des Ticketpreises oder anderweitiger Beförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Sie können auch eine spätere, für Sie passende Umbuchung wählen.

Eine Ausnahme ist möglich, wenn nicht nur das Wetter ursächlich war. Das gilt zum Beispiel, wenn die Airline zumutbare Maßnahmen nicht ergriffen hat. Oder wenn die Störung wesentlich durch betriebliche oder technische Gründe der Airline verlängert wurde. In solchen Fällen kann eine Ausgleichszahlung in Betracht kommen.

Prüfen Sie Ihren Fall strukturiert. Bewahren Sie Bordkarten und Quittungen auf. Sichern Sie Mitteilungen der Airline. Notieren Sie Uhrzeiten für Boarding, Pushback und Gate-Öffnung. Dokumentieren Sie den Flugstatus mit Screenshots. Vergleichen Sie, ob andere Flüge der gleichen Route dennoch stattfanden. Fordern Sie eine schriftliche Begründung der Störung an.

Beachten Sie Fristen. In Deutschland können Ansprüche in der Regel bis zu drei Jahre rückwirkend geltend gemacht werden. Eine schnelle Prüfung hilft, Belege vollständig zu sichern.

Welche Tipps helfen bei Flugangst im Gewitter?

Die wirksamsten Tipps sind Anschnallen, ruhige Atmung, gezielte Ablenkung und gute Information.

Bleiben Sie auch bei ausgeschalteter Anschnallzeichen stets angeschnallt. So vermeiden Sie Verletzungen bei unerwarteten Böen. Atmen Sie ruhig und länger aus als ein. Vier Sekunden ein. Sechs Sekunden aus. Wiederholen Sie das einige Minuten. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst um. Hören Sie Musik. Sehen Sie einen Film. Lesen Sie kurze Texte. Sprechen Sie die Kabinencrew an. Information reduziert Unsicherheit.

Wählen Sie nach Möglichkeit einen Sitz über den Flügeln. Dort sind Bewegungen meist geringer. Reduzieren Sie Koffein und Alkohol. Trinken Sie Wasser. Essen Sie leicht. Planen Sie Zeitpuffer für Umstiege ein. Aktivieren Sie App Benachrichtigungen Ihrer Airline. So behalten Sie den Ablauf im Blick.

Nutzen Sie einfache Entspannungstechniken. Spannen Sie nacheinander Muskelgruppen an und lösen Sie sie wieder. Zählen Sie fünf sichtbare Dinge im Kabinenraum. Benennen Sie vier spürbare Berührungen. Lenken Sie Ihre Sinne bewusst. Das stabilisiert.

Bitten Sie die Crew um eine kurze Vorabinfo zur erwarteten Wetterlage. Fragen sind willkommen. Die meisten Turbulenzen sind nur unangenehm. Sie sind nicht gefährlich. Wenn Ihre Angst stark ist, hilft ein professionelles Flugangsttraining. Viele Airlines bieten das an.

Häufig gestellte Fragen zum Fliegen bei Gewitter

79 % der Fluggäste kennen ihre Rechte nicht. Gehören Sie nicht dazu.

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